wir sind da: Mit der neuen Kolumne
Plötzlich erinnere ich mich...

Kennen Sie das?
Völlig unerwartet steigt Ihnen ein Duft in die Nase und mit ihm eine Erinnerung
– sie steht plötzlich da und man ist gar nicht darauf gefasst.
Manchmal ist es eine schöne Erinnerung und wir geben ihr gerne Raum – sie zaubert uns ein Lächeln auf die Lippen und macht uns froh.
Ein anderes Mal blicken wir unvermutet auf etwas, an das wir gar nicht mehr denken wollten, das längst vergessen geglaubt
und der gleiche Schreck, die gleiche Angst
– Schmerz erfasst uns, so wie zu dem Zeitpunkt als die Dinge passiert sind.
Einen Moment sind wir wie
erstarrt und wir brauchen eine ganze Weile um uns zu lVösen und wieder
in die Realität zurück zu finden.
Es kann ein Song aus dem Radio sein, ein Gesicht in der Menge – ein Geräusch – eine Situation – einfach ein Moment in denen unsere Gedanken leer sind - und ein Flashback taucht aus dem Nichts auf.

Neulich aß ich eine Mandarine,
sie schmeckte genau so, wie Mandarinen schmecken sollen, nicht wässrig, nicht sauer oder zu süß einfach genau richtig.
Das erste Mal in den letzten Wochen bekam ich das Gefühl von Weihnachten, ich kam zur Ruhe und konnte mich in ein paar wunderschöne Erinnerungen kuscheln:
Mein Opa der Nüsse knackt; Orangen und Mandarinen für mich schält – ganz sorgsam; erst probiert ob die Mandarine auch
gut schmeckt – der Duft von Weihnachtsplätzchen – Opa, der Oma aus der Küche schickt, weil ER mit mir Plätzchen bäckt – Lachen – Teig der an den Fingern klebt und mir ist fast schon schlecht vom vielen Naschen.
Weihnachtsabend:
Zeit vergeht im Schneckentempo – ich höre es rascheln, flüstern – es knistert im Ofen – Schneeflocken am Fenster.
Ich sehe mir die x-te Wiederholung von „drei Nüsse für Aschenbrödel“ an und endlich!
Das Glöckchen klingelt und ich darf in die "Gute Stube". Das Zimmer mit dem großen Baum, der bis zur Decke geht, Kerzen leuchten, tonnenweise Lametta, Wunderkerzen, brennen, Kugeln
in allen Farben – völlig überladen – da hing auch noch alles was ich je gebastelt hatte an Sternen usw. – aber es war
f¨r mich der schönste Baum der Welt!
Mein Papa und mein Opa aufgeregt, ich muss die Geschenke auspacken und meine Freude spiegelt sich in Ihren Augen...
... Momente des Glücks – längst vergangen aber ich durchlebe sie noch einmal – Wärme in meinem Herzen.
Ich lehne mich zurück und stelle mir einen Schrank vor, mit ganz vielen Schubladen – in jeder eine Erinnerung – man kann sie öffnen, an ihnen schnuppern
– lauschen und den ein oder anderen Moment, den wir erlebt haben Revue passieren lassen.

Aber es gibt auch Schubladen,
die haben eiserne Schlösser, sind zugenagelt –fest verschlossen.
Es sind die schwarzen Tage unseres Lebens, Erlebnisse die vielleicht heute noch weh tun.
Auf meinem Weg durch eine Straße beim Einkaufen trete ich aus Versehen gegen eine weg- geworfene Zigarettenschachtel und wie aus dem Nichts – ZOOOOM das Gefühl von Wut
und Trauer, ich spüre wieder den Schmerz des Verlassenwerdens – erinnere mich an all die Lügen, leeren Worte – enttäuschtes Vertrauen – so viele Tränen...

Manchmal muss man auch schwarze Türen öffnen und
genau hinschauen, über seinen Schatten springen, erneut fühlen wie es war.
Es tut verdammt weh, aber wenn wir
hinsehen können wir
erkennen – finden wir heraus
und sind in der Lage eine Tür zu schließen – wir können verzeihen – uns selbst vergeben – Frieden finden. Hier braucht es keine Schlösser mehr – diese
Schublade müsse wir nicht mehr verzweifelt zunageln und mit
aller Kraft zuhalten.
Es ist vorbei, wir haben es überstanden – vielleicht etwas angeschlagen, aber es liegt
hinter uns – wir haben den "Teufel" besiegt, waren
stärker als der Abgrund.
Bestimmt gibt es auch Geschehnisse, die sollten wir
dem Vergessen überlassen – sinnlos erneut darin herum zu wühlen – sich immer wieder im Kreis zu drehen mit: HÄTTE
und WENN und ABER oder WARUM!
So, gehen wir unseren Weg, im Hier und Jetzt – kurz vor Weihnachten/ zum Jahreswechsel sind wir vielleicht etwas empfänglicher für Gedanken an Menschen, die nicht mehr zu unserem Leben gehören – für Erinnerungen seien sie schön oder unschön....

Was ich Ihnen und mir wünsche in dieser Weihnachtszeit und für das nächste Jahr:
Sind Schubladen gefüllt mit Lachen, Glück, einem Sonnenstrahl, frohen Gedanken, Ruhe, Zeit und dem Gefühl, Zuhause anzukommen.
Wenn wir doch einmal eine der schwarzen Schubladen öffnen: Die Kraft hinzuschauen – Abschließen können, an Stärke gewinnen, sich nicht vom Schmerz, Selbstmitleid –
WENN und ABERS einfangen zu lassen sonder zu überwinden.

Wir besitzen viele Schubladen mit wundervollen Dingen angefüllt – lassen Sie uns das nicht vergessen.
Eine Weihnachtszeit die eine schöne Erinnerung sein wird, das wünsche ich Ihnen
Ihre Heika Bialas